Jung, weiblich & Öko

Liebe Freunde der politischen Stabilität

Nun ist es also fix. Wir haben eine neue Regierung. Drei Monate lang haben Türkis und Grün verhandelt. Jetzt liegt ein Programm am Tisch. Auf ein bisschen mehr als 300 A4-Seiten wurden Inhalte formuliert. An der Seite des Kanzlers und dessen Vize sollen 13 Minister und zwei Staatssekretäre dieses Zukunftspapier abarbeiten. Neun der 17 Regierungsmitglieder sind Frauen. Das ist ein starkes Signal. Jung, weiblich und gleich doppelt Öko. Der schwarzen Domäne Ökonomie wird ein nachhaltiger Schuss Ökologie verpasst. Weil es um das Klima geht. Auch innerhalb der Staatsführung. Gewonnen haben beide Parteien die Wahlen durch gezieltes Schüren von Ängsten. Sebastian Kurz buhlte durch eine restriktive Ausländerpolitik um die Stimmen rechts der Mitte. Werner Kogler fischte im Teich jener, die Natur und Umwelt den Bach herunter gehen sehen. Jetzt müssen Angst und Furcht in Vertrauen und Hoffnung umgepolt werden. Es gilt zu beweisen, dass das, wovor gewarnt wurde, jedenfalls nicht eintritt. Programmatisch-inhaltliches werden wohl nur Intellektuelle kritisch beäugen. Das breite Volk wird Stimmungen und Sympathie wahrnehmen. Und hoffen, dass die dritte Regierung unter Kanzler Kurz die ganze Legislaturperiode hält. Ansonsten hat der Chef selbst ein Problem. Drei gescheiterte Ehen hintereinander würden wohl sein Image zerkratzen. Und so wird sich der oberste Macho des Landes an eine emanzipierte Partnerin gewöhnen müssen. Schlau wie er ist, hat er sich dafür gleich sechs Frauen in sein Team geholt. Damit sind die Türkisen auf Augenhöhe mit den Grünen. Und beide haben hoffentlich – abseits unterschiedlicher Positionen – ein gemeinsames Ziel: Österreich darf kein weiteres blaues Wunder erleben!

Meinhard Eiter