Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
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Auf der Straße gelandet

Melanie Thönis „fahrende Ausstellung“

Melanie Thöni aus Ried studiert in Wien an der Akademie für angewandte Kunst und ihre Werke waren bisher nicht nur in heimischen Gefilden, sondern unter anderem schon in Wien und sogar in London zu bewundern. Nun ist sie auf der Straße gelandet – genauer gesagt einige ihrer Bilder, die auf Autos von „Uber-Taxis“ in die „Welt“ getragen werden. Die „fahrende Ausstellung“ gibt es seit 20. November, sie soll voraussichtlich mindestens ein Jahr dauern.
12. Dezember 2023 | von Alfred Plankensteiner
Auf der Straße gelandet
Das Motiv „Die Hirtin“ ist eine Hommage und vertraute Erinnerung an Melanies Großvater, der immer Schafe gehabt hat. Und wie ein guter Hirte seine Schafe immer sicher ans Ziel bringt – das ist die Verknüpfung –, soll das auch bei den Uber-Taxis und deren Fahrgästen so sein. Foto: Uber/Niklas Stadler
Die Kunst scheint so alt wie die Menschheit selber zu sein, denn schon in grauer Vorzeit schuf der Mensch Skulpturen und Bilder. Der Zweck mag damals ein anderer gewesen sein als heute, geblieben ist aber das Bedürfnis, sich auf die eine oder andere Art und Weise auszudrücken und – ein Anspruch, den wohl die meisten Künstler haben – „ihr“ Publikum zu finden. Angesichts der heutigen Vielfalt und Künstlerdichte ist dies aber nicht ganz so einfach. Alles scheint schon einmal irgendwie da gewesen zu sein, sich von der „Masse“ abzuheben, ist daher alles andere als leicht. Melanie Thöni aus Ried setzt hier ganz klare Akzente. Nicht nur, dass sie einen eigenen und unverwechselbaren Stil kreiert hat, sie versteht es zudem, sich immer wieder gekonnt in Szene zu setzen.

FAHRENDE AUSSTELLUNG. Ihr jüngster „Coup“ gelang ihr jetzt zusammen mit zwei anderen Künstlerkollegen in Wien: Sie ist quasi auf der Straße gelandet, aber nicht so, wie manche glücklose Künstler, sondern im Gegenteil. Denn glück- oder mittellos sind Attribute, die „Uber“-haupt nicht zu Melanie passen, denn: Das US-amerikanische Dienstleistungsunternehmen „Uber“, das weltweit in vielen Städten – auch in Wien – sogenannte Online-Vermittlungsdienste zur Personenbeförderung anbietet, hat in Zusammenarbeit mit „TheArtGorgeous“ im Rahmen der Vienna Art Week Künstlern die Möglichkeit geboten, einige ihrer Autos zu gestalten. Eine davon ist eben Melanie Thöni. Eine besondere Chance, denn so kommt die Kunst zu den Menschen, nicht umgekehrt. „Das ist wie eine fahrende Leinwand und Ausstellung“, so die junge Künstlerin. Thönis Werke stechen ganz besonders heraus, weil sie anders sind, farb­intensiv, strahlend, geradlinig, Tradition und heile Welt in neuem Kleid, kritisch, hinterfragend, aber auch mit Augenzwinkern – eben so, wie auch sie selbst ist: nicht von der Stange.

VON ANALOG ZU DIGITAL. Auf Melanie aufmerksam geworden sind die Projektanten von „TheArtGorgeous“ (sie haben sich u.a. auf Zusammenarbeit zwischen Firmen und Künstlern spezialisiert) auf Ins­tagram, wo Melanie sich und ihre Werke präsentiert. Thöni war von dem Projekt sofort angetan und: Es war eine neue Herausforderung für sie, weil bisher hat sie klassisch mit Farbe und Pinsel auf Leinwand gearbeitet. Hier war es anders: Die Bilder entstanden nämlich am Grafik-Tablet. „Es war das erste Mal, dass ich digital gearbeitet habe“, berichtet Melanie. Anders als mit Grafikprogrammen üblich, hat sich die Künstlerin dazu entschlossen, wie auf der Leinwand an die Bilder heranzugehen, d.h., nicht mit Ebenen, sogenannten Layern, zu arbeiten. „Eigentlich habe ich es mir dadurch ,schwerer‘ gemacht, aber es war eine bewusste Entscheidung“, merkt Thöni an.

SINNE GESCHÄRFT. Wie intensiv und zeitvergessen Thöni in die Arbeit versinkt, belegt der digitale Zeitstempel am Grafik-Tablet: „Es waren teilweise bis zu 16 Stunden am Tag. Das hat mich selbst erstaunt, weil Leinwand und Pinsel machen ja keine derartigen Aufzeichnungen“, schmunzelt sie. Das digitale Arbeiten war für Melanie eine ganz neue Erfahrung, die ihr auch sehr viel gebracht habe. „Ich bin dadurch noch etwas mutiger und riskanter geworden, z.B. was Farben anbelangt, denn, anders als auf der Leinwand, gibt es einen Zurück-Button.“ Außerdem habe es ihr Denken in Ebenen und Schichten noch mehr geschärft und für sie bewusster gemacht. Das Zurück zum analogen Malen war laut Thöni dann aber gar nicht so einfach: „Zum ers­ten Mal habe ich ein Bild angefangen zu malen, dann aber aufgehört. Momentan steht es in einer Ecke“, führt Thöni aus. Vom Kurs abbringen wird sie dies aber sicherlich nicht, im Gegenteil: Es ist nur ein weiteres Mosaiksteinchen auf dem Weg der aufstrebenden Oberländer Künstlerin.
Auf der Straße gelandet
Gleich einer fahrenden Leinwand bringen die Uber-Taxis Kunstwerke von Melanie Thöni zu den Menschen auf Wiens Straßen. Foto: Uber/Niklas Stadler

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