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Reutte | Chronik | 31. März 2020 | Klara Fritz

… und es wird trotzdem Ostern

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... und es wird trotzdem Ostern.
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Krise und Chance – Glauben leben und Leben neu lernen – in Zeiten von Corona.


Dekan Franz Neuner im Interview


Für viele waren die Ankündigungen der Ausgangssperre und Verlängerung der Quarantänemaßnahmen ein schwerer Einschnitt. Unser Alltag hat sich in kürzester Zeit radikal verändert. Die RUNDSCHAU im Gespräch mit Dekan Franz Neuner.

Von Johannes Pirchner

RUNDSCHAU: Was bedeuten diese Maßnahmen für die Seelsorge und das Glaubensleben in den Pfarrgemeinden im Außerfern?
Dekan Franz Neuner: Wir müssen die Gemeinschaft im Glauben, Gebet und Gottesdienst in unseren Pfarren in diesen Tagen neu buchstabieren. Ja, es ist gelebte Nächstenliebe, wenn wir unsere Sozialkontakte stark einschränken, um einander nicht in Gefahr zu bringen. Aber auch wenn wir jetzt einander nicht die Hand geben, können wir doch füreinander da sein und auch mit Abstand einander innerlich nahe sein. Das Leitwort der Caritas in dieser Zeit „Das wir ist stärker als das Virus“ ist die Erfahrung vieler – das macht Hoffnung. Öffentliche Gottesdienste sind bis auf weiteres nicht möglich. Kirchliche Feste wie Taufen, Erstkommunionsfeiern, Firmungen und Hochzeiten müssen – je nach Termin – verschoben werden. Wir hören aber nicht auf zu beten und Gottesdienste zu feiern – wenn auch das sichtbare, erlebbare Miteinander einer Gemeinschaft schmerzlich abgeht.

RS: Welche Möglichkeiten gibt es, christliche Gemeinschaft zu erleben?
Neuner: Das Gebet daheim und das Wissen, dadurch mit vielen verbunden zu sein, ist eine große Kraftquelle. Anregungen finden sich auf der Homepage der Diözese Inns-
bruck und des Dekanates Breitenwang (www.dibk.at/dekanatbreitenwang). Darüber hinaus laden wir ein, die religiösen Angebote via Radio, TV und Internet zu nützen. Aktueller Überblick auf: www.dibk.at

RS: Derzeit sind Besuche in Altersheimen nicht möglich, im Krankenhaus sehr eingeschränkt. Kann unter diesen Gegebenheiten das Sakrament der Krankensalbung, wenn gewünscht, gespendet werden?
Neuner: Im Krankenhaus kann, aber nur in engster Absprache mit dem Krankenhausseelsorger, einer unserer jüngeren Priester zur Krankensalbung gerufen werden. Ebenso besteht in den Senioren- und Pflegeheimen über die Hausleitungen die Möglichkeit, diesem Wunsch nachzukommen. In jedem Fall unter strenger Einhaltung aller Hygienevorschriften.

RS: Gibt es für Gläubige die Möglichkeit, vor Ostern die heilige Kommunion zu empfangen?
Neuner: Das ist leider nicht möglich. Einzige Ausnahme ist die heilige Kommunion als Wegzehrung für Menschen, die im Sterben liegen.

RS: Und wenn jemand die Osterbeichte ablegen möchte?
Neuner: Die Bischöfe entbinden von der Empfehlung der Beichte vor Ostern. Wer einen schwerwiegenden Grund hat, ist gebeten, dies telefonisch mit einem Priester zu klären. Wer regelmäßig zur Beichte geht, soll diese Praxis vorübergehend aussetzen. Das Anliegen der Versöhnung ist damit aber nicht ausgesetzt. Denn dort, wo Versöhnung geschieht, geschieht auch Auferstehung, weil da etwas zerbrochen war und wieder ganz wird, weil etwas tot war und wieder lebt. Vergebung heißt, dem Menschen, der mich verletzt hat, mit mehr Wohlwollen zu begegnen, als er es verdient. Vergeben heißt: Das Leben wählen; und nicht vergeben bedeutet: Den Tod wählen. Groll und Hass vergiften das eigene Leben. Im Vergeben aber bricht neues Leben durch. Und es wird Ostern. Besonders am Tag der Versöhnung, am 3. April, könnten wir uns für dieses Anliegen Zeit nehmen (Hinweise auf: www.dibk.at).

RS: Das höchste christliche Fest Ostern steht vor der Tür. Durch die Ausgangsbeschränkungen bis Ostermontag ist eine Teilnahme an Gottesdiensten nicht möglich. Wie kann ein würdiges Mitfeiern dennoch erlebbar sein?
Neuner: Die österreichischen Bischöfe haben Richtlinien für die Osterfeiern 2020 erlassen. Nach diesen Vorgaben werden wir in unseren Pfarren und auch im Dekanat die Karwoche und Ostern gestalten. Durch gemeinsame Gottesdienstzeiten im ganzen Land, durch das vorhergehende Läuten der Glocken beziehungsweise den Brauch der Ratschen soll die Verbundenheit aller Gläubigen erfahrbar werden. Priester feiern die Gottesdienste der einzelnen Tage mit vier Gläubigen, die gesund sind und nicht einer Risikogruppe angehören. Diese kleine Gruppe soll die größere Gemeinde repräsentieren. Die Gläubigen daheim können sich medial an einem der Gottesdienste beteiligen oder als kleine Gebetsgemeinschaft feiern. Anregungen dazu finden sich auf www.dibk.at/gottesdienst sowie in einem „Feierheft“ (Gründonnerstag bis Ostern), das in der Karwoche an jeden Haushalt kommt.

RS: Wie sieht es heuer mit vertrauten christlichen Bräuchen aus, etwa dem Aufrichten der großen Ostergräber in Reutte, Breitenwang und anderen Kirchen?
Neuner: Ostergräber können nicht aufgestellt werden. Auch das Schmücken der Kirchen auf Ostern hin kann nur sehr reduziert und unter Einhaltung aller behördlichen Vorgaben stattfinden.

RS: Siehst du in oder trotz dieser schwierigen Krise auch etwas Positives?
Neuner: Die Hilfsbereitschaft, auch junger Menschen, bewegt sehr – von der Landjugend bis zum Sportverein, von der Nachbarschaftshilfe bis zur Vinzenzgemeinschaft und vielen anderen Gruppen. Danke auch allen, die Freude schenken, aufmuntern, Hoffnung machen. Und ein besonderer Dank gilt allen, die in der Pflege von kranken und älteren Menschen arbeiten und den vielen, die unsere Grundversorgung ermöglichen und aufrecht halten.

RS: Und was lässt sich aus dieser für uns alle so fordernden Ausnahmesituation lernen?
Neuner: Es wird uns bewusst, wie verletzlich und zerbrechlich unser eigenes Leben, aber auch unser gesellschaftliches System ist. Nicht nur die Wirtschaft ist weltweit vernetzt, auch Menschen sind es. Und unser Körper ist keine gegen Viren immune Festung. Trotz allem vorsorglichen Abstand ist aber nicht egoistischer Rückzug angesagt, sondern Zusammenhalt und ein gutes Schauen auf alle Schutzbedürftigen. Nicht im Stich lassen und nicht im Stich gelassen werden, das muss uns als humane Gesellschaft, als christliche Gemeinschaft auszeichnen. Eines aber müssen wir uns auch deutlich eingestehen: Wir müssen in vielen Bereichen des Lebens das rechte Maß, Demut und Dankbarkeit wieder ganz neu lernen.

RS: Wie verbringst du persönlich die gegenwärtigen Wochen?
Neuner: So manches muss Tag für Tag neu überlegt werden. Durch die Absage aller Termine ist Freiraum zum persönlichen Beten für die Menschen in unseren Pfarren und im Dekanat. Besonders für jene, die es ohnehin schon schwer haben, und die – auch in wirtschaftlich-existentieller Hinsicht – nicht wissen, wie es weitergehen wird. Zeit bleibt auch, um per Telefon mit Menschen Kontakt aufzunehmen. Ich möchte ermutigen, sich in den Pfarren zu melden, wenn etwas drückt und belastet, wenn Rat und Hilfe benötigt werden und ein offenes Ohr.

RS: Gleiche Gottesdienstzeiten – aber wann wird wirklich Ostern?
Neuner: Eines erlebe ich oft: Ostern findet nicht für alle zur gleichen Zeit statt. Manche sind noch beim Gründonnerstag der Angst, andere beim Schweigen des Karsamstags. Manche sind einfach verlassen wie Jesus am Karfreitag. Die Auferstehung Jesu aber ist der größte Hoffnungsspeicher für uns Christen. Und unser Glaube daran eine ungeheure Schubkraft für ein verantwortliches Handeln. Und das brauchen wir mehr denn je. Ostern gibt uns die Kraft dazu!

 

Karwoche und Ostern Gemeinsam feiern trotz Ausgangsbeschränkungen: Dekan Franz Neuner informiert die Gläubigen


Ostern, das höchste christliche Fest, steht vor der Tür. Durch die Ausgangsbeschränkungen bis Ostermontag ist eine Teilnahme an Gottesdiensten in den Kirchen nicht möglich. Ein würdiges Mitfeiern von Palmsonntag über Gründonnerstag und Karfreitag bis zur Osternacht ist dennoch erlebbar?

Die österreichischen Bischöfe haben Richtlinien für die Osterfeiern 2020 erlassen. Pfarrer können in kleinster Gemeinschaft mit vier Mitfeiernden, die gesund sind und nicht der Risikogruppe angehören, den Palmsonntag und die drei österlichen Tage begehen. Die kleine Gruppe steht stellvertretend für die Pfarrgemeinden, die nicht anwesend sein können. Auch wenn ein öffentliches Feiern nicht möglich ist, soll die Verbundenheit aller Gläubigen erfahrbar werden – durch die gemeinsame Uhrzeit im ganzen Land, zu der man betet und innehält und durch das vorhergehende Läuten der Glocken beziehungsweise den Brauch der Ratschen. Die Gläubigen können sich medial an Gottesdiensten beteiligen oder als kleine Gebetsgemeinschaft daheim feiern. Dazu werden alle ermutigt und einladen. Anregungen finden sich auf www.dibk.at/gottesdienst sowie in einem „Feierheft“ (Gründonnerstag bis Ostern), das in der Karwoche an jeden Haushalt kommt.
Gebets- und Gottesdienstzeiten.

Palmsonntag, 5. April, 10 Uhr (ORF Regionalradios, Radiomesse mit Bischof Glettler). Gründonnerstag, 9. April, 19 Uhr. Karfreitag, 10. April, 15 Uhr. Osternacht, 11. April, 20 Uhr. Eine Kerze als Osterlicht der Hoffnung kann entzündet und daheim ins Fenster gestellt werden. Ostersonntag, 12. April, ab 10 Uhr brennt tagsüber die Osterkerze in den Kirchen. Der Ostergottesdienst aus dem Seelsorgeraum Region Reutte, stellvertretend gefeiert im kleinen Kreis des Leitungsteams mit Dekan Franz Neuner, wird am Ostersonntag um 19 Uhr im Lokalsender RE1 und online auf www.re1.tv übertragen.
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