Richtige Richtung

Obstlt Werner Hauser: „von Schwerkriminalität jeglicher Art in hohem Maße verschont.“ RS-Foto: Archiv

Bezirk: weniger Delikte angezeigt, mehr geklärt

 

Dass einem im Bezirk Landeck ein Ski gestohlen wird, kommt recht oft vor; dass in sein Haus eingebrochen wird, sehr selten; die Wahrscheinlichkeit, dass man Opfer eines Internet-betrugs wird, steigt. Mit einer Straftat ungestraft davon zu -kommen, wird immer unwahrscheinlicher: Mittlerweile beträgt die Aufklärungsquote gut 44 Prozent.

 

Von Daniel Haueis

 

Die Richtung stimmt: Die Zahl der Anzeigen sinkt, die der aufgeklärten Fälle steigt. Im vergangenen Jahr wurden im Bezirk Landeck 3400 Delikte bekannt (193 weniger als ein Jahr zuvor) – das bedeutet: Alle rund zweieinhalb Stunden wird Anzeige erstattet. Geklärt wurden davon 1501 Fälle (2017: 1389). Damit ist die Aufklärungsquote von 38,7 auf 44,1 Prozent gestiegen. Anders ausgedrückt: 5,4 Prozentpunkte weniger bei den Straftaten, 5,4 Prozentpunkte mehr bei der Aufklärung.

 

DREI EINBRÜCHE IN WOHNUNGEN. Stark rückläufig war die Einbruchskriminalität. Es wurden beispielsweise nur drei Einbruchsdiebstähle in Wohnungen oder Wohnhäusern verzeichnet – „eine sehr positive Entwicklung im Hinblick auf das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung in unserem Bezirk“, sagt Bezirkspolizeikommandant Werner Hauser. Gab es in der ersten Dekade des Jahrhunderts noch ca. 140 Delikte im Jahresschnitt, waren es seit 2010 rund 100 pro Jahr, der Wert des Jahres 2017 (114 Delikte) wurde im Jahr 2018 auf 64 fast halbiert. Bei den angezeigten Sachbeschädigungen (217 Fälle) er-gab sich im letzten Jahr ein leichter Rückgang; Deliktsformen wie Vandalismus sind nicht auffällig.

 

TATORT PISTE. Die Tourismus-intensität Landecks schlägt sich auch in der Kriminalstatistik nieder: Mehr als ein Viertel aller angezeigten Delikte betreffen den Diebstahl von Ski/Snowboard/Zubehör – wobei der angezeigte Diebstahl auch ein Versicherungsbetrug oder vielleicht nur eine Verwechslung sein könnte. 906 Fälle wurden angezeigt, was einem Minus von gut 9% entspricht. Auch in diesem Bereich gab es schon deutlich mehr Fälle, nämlich mehr als 1400. Trotzdem haben diese Massendelikte einen sehr negativen Einfluss auf die gesamte Kriminalstatistik, speziell auf die Aufklärungsquote. Und auch „Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben“ sind eng mit dem Tourismus verknüpft – vielfach handelt es sich um Ski-Kollisionsunfälle und Alpinunfälle. 863 Delikte sind etwas weniger als in den Vorjahren. Vorsätzliche Gewaltdelikte kommen relativ konstant vor: Im letzten Jahrzehnt waren es jeweils zwischen rund 150 und 220 Fällen, im vergangenen Jahr 190. „Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung“ sind relativ gleichbleibend: 2012 – 27 Delikte, 2013 – 9, 2014 – 18, 2015 – 18, 2016 – 32, 2017 – 18, 2018 – 17.

 

INTERNETBETRUG KOMMT ÖFTER VOR. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Betrugs zu werden, ist auch im Bezirk Landeck gestiegen: 166 Delikte sind der höchste Wert der letzten vier Jahre, wobei der Anteil durch Missbrauch des Internets (Cybercrime) weiterhin deutlich steigt: 2015 waren dies noch 33 Delikte, 2016 dann 39, 2017 bereits 51 Delikte und im vergangenen Jahr 96 Delikte. Besitz/Weitergabe gefälschter Banknoten wurde 81 Mal festgestellt, seit drei Jahren wieder einmal ein Wert unter 100. Da derartige Delikte oft erst bei der Prüfung der Banknoten in den Geldinstituten bekannt werden, ist hier die Ermittlungstätigkeit der Polizei sehr erschwert.

 

DROGENANZEIGEN RECHT KONSTANT. Die angezeigten Suchtmitteldelikte sind im Bezirk Landeck im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig: 237 Mal wurde Anzeige erstattet (–7,8%). Die Zahl bewegt sich aber seit Jahren rund um die 200, 142 war der niedrigste, 285 der höchste Wert. Werner Hauser spricht von „recht hohen Anfallszahlen“, die aber wenig über den tatsächlichen Suchtmittelkonsum aussagen: „Vielmehr handelt es sich hier um das Ergebnis konsequenter und erfolgreicher Arbeit der spezialisierten Ermittlungsbeamten der Polizeiinspektionen“, sagt der Bezirkspolizeikommandant. Ihn freut neben dem spürbaren Rückgang besonders, dass im Bezirk Landeck Schwerkriminalität selten ist: „Wenngleich Einfluss organisierter Kriminalität – vornehmlich organisierte Eigentumskriminalität – auch im Bezirk Landeck gelegentlich spürbar ist, bleibt der Bezirk nach wie vor von Schwerkriminalität jeglicher Art in hohem Maße verschont und kann daher grundsätzlich als sehr sicherer Bezirk bezeichnet werden.“ Laut Kriminalreferent Hptm Enrico Gabl hat sich gezeigt, dass die Schwerpunktthemen im Ermittlungs- und Präventionsbereich vielfach richtig gesetzt wurden. Die Bekämpfung der stark steigenden Internet-Kriminalität sowie strafrechtlich relevanter Kommunikation in sozialen Medien werden vermehrt Arbeitsschwerpunkte im Ermittlungs- und Präventionsbereich sein.

 

Hptm Enrico Gabl: Schwerpunkt Bekämpfung der steigenden Internet-Kriminalität sowie strafrechtlich relevanter Kommunikation in sozialen Medien. RS-Foto: Archiv